Das hässliche Gesicht des Enthüllungsjournalismus am Beispiel David Bergers

Pädophilie in Verbindung mit sexuellem Missbrauch von Kindern ist ein schreckliches, durch nichts zu rechtfertigendes Delikt. Auch dem in beschönigender Absicht das Wort zu reden ist abzulehnen. Weil es in einem solchen Fall nichts zu rechtfertigen gibt. 

Nicht weniger schrecklich ist es, einen dessen zu Unrecht zu bezichtigen. Mit den fragwürdigen Mitteln eines an BILD geschulten Enthüllungsjournalismus, der mit sinnentstellenden Halbwahrheiten in Gestalt aus dem Zusammenhang gerissener Zitate arbeitet, wie es David Berger bereits wiederholt praktiziert hat. Um den es seit seiner Entlassung von seinem früheren Redaktionsposten bei der Zeitschrift Männer still geworden ist.

Nun hat er sich den Satiriker und Vorkämpfer der Schwulenbewegung Felix Rexhausen zum Angriffsziel genommen. Um sich selbst damit interessant zu machen und ins Spiel zu bringen. Mit fragwürdigen, durch nichts zu rechtfertigenden Methoden. Im ihm zu unterstellenden Bedürfnis, an seinem Bestsellererfolg („Der heilige Schein“) anzuknüpfen.

Die Beweislage auf die er sich stützt ist dünn und besteht aus wenigen, aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten, die sich auf den sexuellen Kontakt eines beispielsweise Zwanzigjährigen mit einem Vierzehnjährigen beziehen und auf die Erinnerung eines Vierzehnjährigen an kindliche, nicht zielgerichtete Doktorspiele.

In Verbindung mit für vergangenen Freitag angekündigten neuen Enthüllungen, arbeitet Berger nach der gleichen Methode und mit einem Bildmaterial, das die Betroffenheit unschuldiger Knaben suggeriert und der Anregung durch nichts zu rechtfertigender sexueller Phantasien dient. Fakt ist: Dass wir es in der von Rexhausen verfassten Schrift Berührungen, der sich Berger als Quelle bedient, mit der satirisch zugespitzten, anklagenden Darstellung der Verhältnisse in der BRD der Sechziger Jahre zu tun zu haben und mit der teilweise selbstironischen Darstellung der Situation Schwuler unter der wirksamen Herrschaft des bedauerlicherweise erst 1994 mit Recht abgeschafften §175. In der Rexhausen nichts beschönigt, in vielem übertreibt und übers Ziel hinausschießt, was in der von ihm praktizierten Direktheit oft nur schwer zu ertragen ist. Im Rückgriff auf eine Zeit, in der die Gleichsetzung von Homosexualität und Kindesmissbrauch im Bewusstsein der Öffentlichkeit ebenso selbstverständlich war, wie die von Homosexualität mit Krankheit und Verbrechen.

Es hat lange gedauert, bis 1994 die Streichung der Homosexualität aus der Liste der Krankheiten erfolgte, im selben Jahr in dem der § 175 für immer aus dem StGB verschwand. Tausende Schwule haben seine Folgen am eigenen Leib erfahren, als Opfer und nicht Täter. Sie jetzt zu solchen zu erklären ist der Gipfel der Perfidie. Und erinnert daran, dass Schwule es sich in Frankreich beispielsweise heute immer noch gefallen lassen müssen, sie als Pädos (Pede) zu beschimpfen. Unter Gleichsetzung von Homosexualität und Pädophilie.

Was schwule Päderasten betrifft, nimmt Rexhausen eindeutig dazu Stellung. Auf Seite 134 seiner Schrift Berührungen: 

„Von all den Schwulen, die ich kenne, ist Georg der einzige wirkliche und ausschließlich Päderast: er will nichts von und kann nicht mit Leuten über achtzehn. Die Menschen sind verschieden. Zuwider wird mir die ‚Liebe zur Jugend‘ freilich da, wo sie sich auf Jungen richtet, die noch kein einziges Haar unten haben… Liebe und Lust mit einem Fünfzehnjährigen sind eine durchaus andere Sache. Er ist eine ganze Person, die antworten kann … aus der uneingeengten Fülle seiner Nichtfixiertheit auf Rollen und Meinungen, die spätestens um die Zwanzig herum verloren gehen…“

David Berger ist zu unterstellen, ganz bewusst Abstand genommen zu haben, sich darauf zu beziehen. Und in den von ihm ins Feld geführten, inkriminierten „süßen Jüngelchen“, auf die Rexhausen sich auf S. 135 bezieht, handelt es sich um solche, denen er streng anrät, „aus ihren Jahren vor fünfundzwanzig so viel lustiges Leben zu machen, wie irgend möglich – später werden sie’s sowieso oft unlustig haben“.

David Bergers Angriffe und auf Felix Rexhausen bezogene Unterstellung der Unterstützung und Werbung für die Pädophilie, erfolgt  mit höchst fragwürdigen Methoden, die jeden Einspruch dagegen rechtfertigt – als vermeintliche Kampagne gegen ihn, die in seiner durch nichts zu rechtfertigenden, perfiden und denunziatorischen Herangehensweise begründet ist, mit der er sich auf Kosten und zu Lasten des 1994 verstorbenen Rexhausen zu profilieren beabsichtigt.

http://www.huffingtonpost.de/david-berger/felix-rexhausen-pädophilie_b_7235310.html

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3 Gedanken zu “Das hässliche Gesicht des Enthüllungsjournalismus am Beispiel David Bergers

  1. Sehr geehrter Herr Gaiser, danke für Ihre differenzierte Stellungnahme. David Berger hat es nicht verdient, sich mit ihm auseinander zu setzten, dafür ist er mir zu bösartig und zu einfach gestrickt. Für Literaturanalysen sollte Berger dringend den nächsten VHS-Kursus aufsuchen, vermutlich wird dies nicht helfen, da sein destruktiver Charakter, seine multiple Persönlichkeit ‚über‘ den Verstand liegt und alles in den ‚Schatten‘ stellt.

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