Drei Tage im November

„Als Schwule hätte man euch unter Hitler alle vergasen sollen!“ – lautete die extreme Reaktion zufälliger Passanten auf dem Kudamm in Berlin – anlässlich der ersten Demo Schwuler zu Pfingsten 1973 .

Was für mich Anlass war, beim Flugblattverteilen nicht die Augen davor zu verschließen. Erstmals unmittelbar davon betroffen, weil die Voraussetzung zu solch homophober Gewalt neu waren und für manchen, wie mich, damit konfrontiert, um so überraschender, als ich selber gedanklich schon sehr viel weiter war.

Bei meinem Wechsel nach Berlin noch damit vertraut, über die Möglichkeit des Eintauchens in die meine Individualität gewährleistende Anonymität der Großstadt zu verfügen. Sich zunehmend mit der Zeit jedoch verflüchtigend. Immer dann, wenn es sich darum handelte, ernst damit zu machen, Farbe zu bekennen. Zumal das Kranzlereck am Kudamm dafür berüchtigt war – als Schauplatz verbaler Auseinandersetzungen mit solchen zu dienen, die keinen Zweifel daran ließen, wenn einem was nicht passt, jederzeit über die Möglichkeit zu verfügen, sich nach drüben zu verziehen. Was auch für mich als Anstoß dazu diente, es nicht dabei bewenden zu lassen, sondern mich um eine Erweiterung meines Horizonts zu bemühen. Im Rahmen der Notwendigkeit meines parallel verlaufenen Outings – vor dem Hintergrund der wachsenden Forderung jener Jahre, das eigene Schwulsein öffentlich zu machen. Womit ich sowohl in meinem Freundeskreis, am Arbeitsplatz, als auch in der Familie konfrontiert war.

Dank liberalen beruflichen Umfelds im Rahmen der damals größten Buchhandlung Westberlins, als meinem Arbeitsplatz, habe ich vorwiegend positiv Erfahrungen damit gemacht. Weil mein Chef dies zum Anlass nahm, mich zu fördern. Irgendwas scheine ich damals richtig gemacht zu haben. Als Krönung meiner Entscheidung, mein Hobby, das Schreiben und Lesen, zu meinem Beruf zu machen. Während andere als ich mit weit härteren Bedingungen konfrontiert waren. Schwule Lehrer beispielsweise, die bei einem Outing vor ihrer Klasse vom Rausschmiss aus dem Schuldienst betroffen waren. Oder Tunten, für die dergleichen ebenfalls weniger leicht zu verkraften war, dank erheblicher Kritik an ihrem provozierenden Erscheinungsbild. Wovon sie selbst innerhalb der eigenen Reihen betroffen waren. Gipfelnd in der Forderung mancher Teilnehmer an jener Demo nach ihrem Rausschmiss. Als Ausdruck des in Verbindung damit noch ungebrochen wirksamen schwulen Selbsthass.

Wie er auch im Rahmen der damaligen HAW (Homosexuelle Aktion Westberlin) spürbar war. Insbesondere dann, wenn ein marxistisch gefärbtes Selbstsbild mit dabei im Spiel war, als Grundlage der Erkenntnis, dass der Misere Schwuler nur mithilfe von Bündnispartnern in Parteien und Gewerkschaften zu begegnen ist. Verbunden mit der Notwendigkeit, diese durch ein entgegenkommendes Wohlverhalten geneigt zu stimmen, dabei mitzuziehen. Dem Tunten, dank femininen Erscheinungsbilds, nicht zu entsprechen in der Lage sind.  Am sichtbarsten von der Theorie beeinträchtigt, es in der Unterdrückung der Homosexualität mit einem „Nebenwiderspruch im Klassenkampf“ zu tun zu haben. Was besagt, dass dem nur in Verbindung mit der revolutionären Situation zu begegnen ist. In deren Rahmen exaltiert und herausfordernd in Erscheinung tretende Tunten als „Entartung“ und „Auswuchs des Kapitalismus“ zu charakterisieren sind. Was im vollendeten Sozialismus, so die Lehre, keine Rolle mehr spielen würde. Unter Zugrundelegung eines in der Regel männlich heroisierenden und normierten Erscheinungsbilds. Wie es am Beispiel der kubanischen Revolution nachvollziehbar war. In deren Rahmen Schwule in einem Atemzug mit anderen konterrevolutionären Erscheinungsformen zu nennen waren. Zumal China war für die Leugnung homosexueller Lebensweisen  bekannt und dafür berüchtigt, sie als Auswüchse kapitalistisch organisierter Gesellschaftsformen zu brandmarken.

Der Forderung nach Rausschmiss der Tunten aus der HAW begegnete die sich daraufhin formierende Gruppe der Feministen mit der Forderung nach Einführung des Rosa Winkel schwuler KZ-Häftlinge, als gemeinsamem und identitätstiftendem Kennzeichen, um auch denen, die nicht dem Bild der Tunte entsprechen, die Erfahrung zu ermöglichen, sich als Schwule zu offenbaren, für die nicht länger die Möglichkeit besteht, dies mittels maskuliner Erscheinungsformen zu kompensieren. Die Abwehr dessen folgte auf dem Fuß, in Gestalt der krachenden Niederlage der Forderung der Feministen innerhalb der HAW. Mit dem Ergebnis, dass der Rosa Winkel ab diesem Zeitpunkt fester Bestandteil unseres Bewusstseins und der persönlichen Erfahrungswelt jedes einzelnen von uns war. Unter Forcierung des Niedergangs der HAW und der Aufgabe ihres Alleinvertretungs-anspruchs für alle Schwulen in Berlin. Abgelöst durch die entlastende Spaltung in die AHA (Allgemeine Homosexuelle Arbeitsgemeinschaft) einerseits, und das 1977 gegründete SchwuZ andererseits. Als der Heimat derjenigen, die immer noch von der durch Rosa von Praunheims Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers…“ ausgelöste Aufbruchstimmung bestimmt waren.

In Verbindung mit der ich zahlreichen Menschen begegnet bin, die mich stark geprägt und beeinflusst haben. Als seitdem unveräußerlichem Bestandteil meiner Erinnerung daran. Unter denen Andreas Pareik einen herausragenden Rang einnimmt, der sich 1978 gefallen hat, mich zur Mitarbeit in der von ihm und anderen damals gegründete BSZ (Berliner Schwulen Zeitung) einzuladen. Von der, auf seine Anregung hin, die Initiative zum ersten CSD am letzten Sonnabend im Juni 1979 in Westberlin ausging. Mit Andreas als demjenigen, der die Veranstaltung als politische Demonstration bei der Polizei angemeldet hat. Verbunden mit der realistischen Voraussage von ca. 500 zu erwartenden Teilnehmern. Denen nicht allen das SchwuZ als Bezugspunkt und Heimat diente, weil auch Angehörige der AHA und zahlreiche Lesben aus dem Umfeld des LAZ (Lesbisches Aktionszentrum), sowie eine Minderheit von Sympathisanten des damaligen MSC (Motorsport Club Berlin) als Teilnehmer beteiligt waren.

Im SchwuZ selbst war neben der BSZ und dem bereits 1975 gegründeten Verlag rosa Winkel auch die Gruppe „Schwuler Literarischer Salon“ beheimatet, der sich des SchwuZ ebenfalls als Treffpunkts bediente. Mit mir als Mitinitiator und aktives Mitglied der Gruppe, von der im Herbst 1978 die Initiative zum Workshop Schreibende Schwule ausging. Wozu zum fraglichen Zeitpunkt, an drei Tagen im November – zwischen dem 17. und 21.11 1978 – unterm Dach des SchwuZ neben Teilnehmern aus Berlin auch solche versammelt waren, die eigens aus diesem Anlass aus Westdeutschland angereist waren. Um sich durch ihre Teilnahme daran zum Austausch über ihre Texte und Meinungen inspirieren zu lassen. Vor dem Hintergrund kontroverser Diskussionen über die Notwendigkeit einer schwulen Ästhetik.

Rolf Stürmer aus München (Mitbegründer des schwulen Buchladens Sodom) hat sich beispielsweise mit dem Vortrag von Gedichten und Tagebuchaufzeichnungen und mit seiner charismatischen Persönlichkeit einen Namen gemacht. Ebenso wie Ebi Bechtle, obgleich der damals nicht unmittelbar selber anwesend war, sondern durch Abwesenheit glänzte. Weshalb es Reinhard v. d. Marwitz (Anderes Ufer, Schwuchtel, Albino Verlag) vorbehalten war, uns mit einem vom Autor im Alter von siebzehn Jahren verfassten Gedicht bekannt zu machen, mit dem Titel Amerikanisches Lied. Beiden jungen Autoren war damals ein überraschend neuer Klang und Tonfall gemeinsam und eine Frische und Authentizität des Ausdrucks, wie er nur an wenigen anderen damals nachvollziehbar war.

Auch Mario Wirz ist damals bereits mit dem herausfordernden Pathos seines Auftretens und Vortrags seiner Gedichte in Erscheinung getreten. Ein Autor, der sich  später auch mit seinem tief berührenden nächtlichen Bericht Es ist spät, ich kann nicht Atmen in unser Bewusstsein eingeschrieben hat, als Selbstreflexion eines HIV-infizierten schwulen Autors.

Ehe es soweit war, sich auch in literarischer Form damit zu befassen und auseinander-zusetzen, bedurfte es jedoch der tiefgreifenden Erfahrung des unmittelbaren Umgangs damit – als persönlich davon Betroffene. Vor dem Hintergrund der sich ab diesem Zeitpunkt spürbar verflüchtigenden Aufbruchstimmung der 1970iger Jahre. Wirksam als Erfahrung des Verlusts des Zustands der Unschuld, im Rahmen unseres unvermeidlichen Abschieds davon.

Dem der entspannte, aber nicht konfliktfreie Versuch junger schwuler Autoren in Berlin vorausgegangen war, sich im Rahmen des damals gegründeten Salons eines neuen, nicht ausschließlich an ihrer Individualität orientierten, sondern  ihres gemeinschaftlichen Selbstverständnisses zu versichern. Vor dem Hintergrund der Emanzipationsbewegung  Schwuler in den 1970iger Jahreen. Als ihrem Beitrag dazu, wie er auch im Rahmen der Teilnahme am Workshop schreibend Schwule als Motivation spürbar war. Was auch insoweit Spuren hinterlassen hat, als mit ihm die Spaltung der Gruppe besiegelt war. Als Geburtsstunde der aus dem Salon hervorgegangenen Gruppe SchwuLit (Schwule literarische Werkstatt), die sich vom Salon im Wesentlichen durch einen größeren Praxisbezug und ein geringeres Auseinandersetzungsbedürfnis unterschied. Gipfelnd in der Herausgabe der Dokumentation Workshop schreibende Schwule, in der alle in diesem Rahmen vorgetragene Texte und Gedichte versammelt waren.

Durch die positive Resonanz darauf  dazu angeregt, es nicht dabei bewenden zu lassen. Weshalb im Herbst 1979 die Anthologie Milchsilber. Wörter und Bilder von Schwulen im Verlag Rosa Winkel in Berlin erschienen ist. Unter Herausgeberschaft der Gruppe SchwuLit. In Gestalt von Nico Würtz, Lothar Voth und mir. In der Nachfolge der zwei Jahre zuvor von Elmar Kraushaar im selben Verlag herausgegebenen Anthologie Schwule Lyrik Schwule Prosa.  Als zwei unabhängige, einander nicht widersprechende oder konträre, sondern einander entsprechende Publikationen, um damit das ganze Spektrum schwuler Kreativität abzubilden und im Fall von Milchsilber neben Textbeiträgen auch die visuelle Erfahrungsebene mit einzubeziehen. Mit 2000 gedruckten Exemplaren war diesem Projekt ein eher bescheidener Publikumserfolg beschieden. Der in etwa dem der BSZ entsprach, mit ebenfalls 2000 Expl. Auflage. Fakt ist aber auch, dass ihre Initiative zum ersten Berliner CSD 1979 mit seinen damals ca. 500 Teilnehmern, als Auftakt zu einer seitdem nicht mehr abreißenden Erfolgsgeschichte zu bewerten ist.

Vor dem Hintergrund aller derjenigen, die sich damals gefielen, sich auf dem Parkett der jungen schwulen und politisch bewussten Szene Westberlins zu tummeln. Wie beispielsweise im Fall des mit Anfang zwanzig damals noch blutjungen Jürgen Baldiga. Den es aus dem Ruhrpott nach Berlin verschlagen hat. Als Stricher und schwuler Prinz der Westberliner Subkultur, der sich neben eigenen frühen Publikationen und Auftritten in der Szene auch als Coverboy der BSZ, samt aufregenden Titelbilds und Interviews einen Namen machte und frühes Aufsehen erregte.

Was auch am Teilnehmer und Mitbegründer der Malschule der Neuen Wilden in Berlin – Salomé – nicht spurlos vorüberging. Als Förderer seines Talents, im Sinn eines sich wechselseitig beflügelnden Austauschs und gegenseitiger Ermutigung – insbesondere des Jüngeren durch den etwas älteren. Womit Jürgen Baldiga damals einen wichtigen Zuspruch erfahren hat. Zitat Salomé: „Du schaffst das, Honey, mach das!“  Um damit zu einer erheblichen Förderung des Selbstbewusstseins Jürgens beizutragen, der daraufhin mit spürbarem Elan in der Szene Westberlins unterwegs war. Ehe er sich später als fotografischer Wegbegleiter und Chronist seiner queeren Szene einen Namen machte. Dessen Foto später, in Gestalt eines Selbstporträts des von seiner HIV-Infektion  Gezeichneten, mit Vollbild AIDS, samt Kaposisarkoms, anlässlich eines Welt-AIDS-Kongresses in Paris, Anfang der 1990iger Jahre, an allen Litfaßsäulen zu besichtigen war.

AIDS war auch eine verbindende Erfahrung für all jene jungen schwulen Autoren, die neben Jürgen damals die von Nico Würtz mitbetreute und von mir herausgegebenen Maldoror Flugschriften für erste aufregende Veröffentlichungen nutzten. Was neben Baldiga (Breitseite) und Eberhard Bechtle (ADA Teeblätter Comics/Gedichte der Nacht) – in Kooperation mit seinem Eigenverlag Wald&Welt –noch den jungen Schweizer Autor Peter Baschung (Sucking Boys) betrifft. Sowie Manfred Semmelbauers Poem „Michael“, in dem er seinem gleichnamigen Geliebten und Gefährten, zur Erinnerung an dessen frühen Unfalltod im Alter von Mitte zwanzig Jahren, ein literarisches Denkmal schuf. Lange bevor Manfred selber sich 1989 für immer von uns verabschiedet hat, war Ebi Bechtle im Alter von 26 Jahren davon betroffen. Dessen bereits in früher Jugend diagnostizierte Leukämie-erkrankung das Krankheitsbild AIDS sicherlich beschleunigt hat.

Anhand seiner 1992 posthum in der Marburger Basiliskenpresse veröffentlichten und auszugsweise in den Münchner Akzenten abgedruckten Mikrogeschichten „Die Umgebung der Welt“ (Hrsg. Bettina Augustin) lässt sich unschwer nachvollziehen, mit ihm den Verlust einer wesentlichen Stimme im Bereich schwuler Literatur verloren zu haben. Der über die denkbar besten Voraussetzungen verfügte, es auf diesem Gebiet noch sehr viel weiter zu bringen. Dank allzu frühen Verstummens zu Unrecht in Vergessenheit geraten, hat er sich ungeachtet dessen tief in meine Erinnerung an ihn eingeschrieben. Vor dem Hintergrund gemeinsamer Auftritt – zusammen mit seinem Freund und Lover Frank Hermann und dessen Truppe Les Chaud Show Sisters. In deren Auftrittspausen wir gelegentlich unsere Texte und Gedichte zum Vortrag brachten. Mit der damaligen Kleist Quelle (heute New Action) als Rahmen. Aber  beispielsweise auch anlässlich eines gemeinsam mit beiden, Ebi und Carla, absolvierten Auftritts in Münchens erstem schwulen Buchladen Sodom.

Im Fall Jürgen Baldigas dient mir ein wunderbares, Helmut Röttgen zu verdankendes Foto von ihm als Stütze meiner Erinnerung an ihn. Das erstmals 1982 in der BSZ zu besichtigen war, als rotzfreche Selbstdarstellung des jungen Protagonisten der schwulen Szene Westberlins in den 1980iger Jahren. Mir innerhalb der vier Wände meiner Maisonetten-Dachgeschosswohnung im Lebensort Vielfalt (einem Projekt der Schwulenbewegung Berlin) jeden Tag gegenwärtig, zur Aufrechterhaltung meiner Erinnerung an ihn.

Während wir es in der Schwulenberatung Berlin mit jener Einrichtung zu tun zu haben, an deren Gründung auch Andreas Pareik 1981 beteiligt war (vor seinem endgültigen Abschied 1982, als Opfer eins Autounfalls mit Todesfolge), in Gestalt der damaligen lesbisch/ schwulen Komuniktions- und Beratungsstelle in der Kreuzberger Hollmannstraße. Im Jahr ihres 35. Jubiläums genieße ich das Privileg, 2011 als erster meinen Mietvertrag für das 2012 eröffnete Mehrgenerationen-Wohnprojekt unterschrieben zu haben, in dem ich seit fünf Jahren untergebracht bin, mit Ausblick auf einen Garten, den die Bewohner/innen des Hauses gemeinsam im Lauf der vergangenen Jahre aus einer wüsten Brache in eine blühende Landschaft verwandelt haben.

Was so leider nicht auf den Zustand schwuler Kreativität und Literatur übertragbar ist. Die sich vor allem, soweit überschaubar, um einen hohen Unterhaltungswert bemüht, vor dem Hintergrund einiger an den Fingern einer Hand abzuzählenden schwulen Verlage, die sich inzwischen vom Prinzip der Selbstausbeutung der vergangenen Jahrzehnte verabschiedet haben und damit den Anspruch verbinden, von ihrer Arbeit zu leben. Was eben nur mittels Befriedigung des Unterhaltungsbedürfnis ihres schwulen, Publikums gelingt, wie es beispielsweise der Verlag Bruno Gmünder über die Jahre hin erfolgreich praktiziert hat. Vor dem Hintergrund des digitalen Zeitalters vorübergehend in eine inzwischen wieder behobene Schieflage geraten. Um schwulen Autoren weiter als Forum zu dienen , um  dem  Unterhaltungsbedürfnis ihrer Kunden mithilfe von Krimis, Liebesgeschichten, Sexrat-gebern und anderen pornografischen Elaboraten in Gestalt sogenannter Einhandliteratur zu dienen. Die über einen gewinnträchtigen Aspekt verfügen und darum nicht zu verachten sind. Weil es in ihrem Rahmen möglich ist, Auflage zu machen und wirtschaftliche Erfolge zu erzielen. Während ich den Bereich junger, kreativer, innovativer Ausdrucksformen von Autoren, Fotografen, Zeichnern weitgehend vermisse, wenn man vom Sonderfall des Königs des schwulen Comics absieht.

HIV/AIDS hat auch in dieser Hinsicht ganze Arbeit geleistet, weil das Virus die Szene junger schwuler Künstler, Autoren und Fotografen in den 1980iger und 1990iger Jahren spürbar dezimiert hat. Dank damit verbundenem schmerzlichem Aderlass, von dem sich die Szene seitdem nicht mehr erholt hat.

Einer Gruppe junger kreativer und innovativer schwuler Autoren, wenn es sie geben sollte, wäre zu wünschen, sich nicht mit entsprechenden, sie knebelnden Verlagsverträgen einfangen zu lassen, die sie zum Erfolg verdammen und hoffnungsvolle Ansätze zu ersticken drohen. Wie im Fall eines mir  sehr sympathischen Autors in mittleren Jahren, der sich von der jahrelangen Mitarbeit in einem bekannten Verlagshaus inzwischen verabschiedet hat, um sich künftig mit einer Lebenshilfepraxis über Wasser zu halten. Obwohl er dergleichen dementiert, würde ich mir  wünschen, uns doch vielleicht noch mit dem einen oder anderen Manuskript aus seiner Schublade zu überraschen. Ungeachtet dessen in Verbindung damit zu erwartenden Unterhaltungswerts. Dessen Abwesenheit ich nicht zum Dogma erheben möchte. Anderen dagegen würde ich empfehlen, sich ihre Sporen unabhängig davon zu verdienen. Um ihre Möglichkeiten mithilfe des Internets und dessen digitalen Selbstpublishingplattformen zu erproben und auszuloten. Ehe sie sich vielleicht dazu entschließen, unter fremder Flagge zu segeln, um die Miete damit zu zahlen und sich den Magen zu füllen. Um in Verbindung damit doch vielleicht die eine oder andere Klippe mit Erfolg zu umschiffen. Im Rahmen aller zahlreichen Orte schwuler Selbstverwirklichung, Reflexion und Konfusion. Auf der Grundlage aller derjenigen, die vor ihnen bereits Spuren hinterlassen haben und leider inzwischen in Vergessenheit geraten sind.

Orte schwuler Selbstverwirklichung und Konfusion

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