40. CSD in Berlin und was am Ende des Tages davon bleibt

Auf jedenfall weit mehr als bloß der Genuss eines kühlen Biers am Abend hinter der Hauptbühne des Berliner CSD am Brandenburger Tor, gemeinsam mit Freunden.Es ist eine absolut schreckliche Erfahrung, wenn ein Team, wie das des Berliner CSD e.V. mit seinen wunderbaren, energischen, einfallsreichen, zupackenden, sympathischen und engagierten Menschen, die alle eine Vision verbindet, damit konfrontiert ist, dass ihnen eine Sturmwarnung einen Strich durch die Rechnung macht. Während am Ende der Strecke noch die letzten Trucks auf der Meile der Straße des 17.  Juni einlaufen und sich die Massen der Teilnehmer am Berlin Pride vor der Hauptbühne am Brandenburger Tor stauen und ich mit Freunden hinter der Bühne ein kühles Bier genieße und die Begegnung mit zahlreichen wunderbaren Menschen, denen ich bereits im Verlauf der vorausgegangenen Wochen begegnen durfte, die alle für sich genommen absolut zum Verlieben sind.

Doch ab diesem Zeitpunkt hat es nicht mehr lange gedauert, bis der Wind aufdrehte und sich der Himmel verdüsterte und dunkel drohende Wolken an ihm erschienen, und die großartige Monique King und das ganze Team zahlreicher ehrenamtlicher Helfer  herausgefordert war, uns ungläubig staunenden Menschen begreiflich zu machen, dass sich der Tag abrupt seinem Ende entgegenneigt, und zwar rascher als wir alle es uns vorzustellen in der Lage waren.

Wanja hat gerade den Soul of Stonewall Award National entgegengenommen. Für den bewundernswerten Einsatz für transsexuelle Menschen. Und hinter der Bühne warteten noch weitere Preisträger_Innen und Künstler_Innen auf ihren Auftritt. Unter ihnen – um mich nur auf sie zu beziehen – die sehr sympathische, atemberaubend junge und großartige Rapperin und bisexuelle Künstlerin SOOKEE, der ich bereits wenige Tage zuvor bei der Pressekonferenz des CSD e.V. im Schwulen Museum begegnen durfte. Gipfelnd in einem Gespräch mit ihr – zwischen Alt und Jung – das inzwischen auf Zeit-Online nachzulesen ist. Sookee und Bernd Gaiser im Gespräch

Aus gleichem Anlass bin ich auch Dr. Regina Krause wieder begegnet, einer Gründerin des LAZ (Lesbisches Aktions Zentrum) in den 1970er Jahren und Mit-Kuratorin der jüngst im SMU eröffneten Ausstellung über diese Blütezeit lesbischer Sichtbarkeit. Die sich inzwischen weitgehend wieder verflüchtigt hat. Wenn auch nicht gerade über Nacht.

Das Theaterprojekt AUFBEGEHREN (Kooperationspartner des 40. Berliner CSD) und sein großartiges Team, dem anzugehören ich die Ehre habe – bestehend aus Jeanne, Fabian, Jonathan und Luise – sowie uns, als ihren Darsteller_Innen auf der Bühne, hat es verstanden, den Verfall dieser Zeit im Zeitraffer-Tempo anschaulich zu machen. Vor den staunenden Augen unseres Publikums im Leeren Raum, als unserem Schöneberger Aufführungsort – an vier aufregenden und atemberaubenden Abenden.

Im Rückblick auf den Umbruch Westberlins vom aus der Zeit gefallenen Biotop im Schatten der die Stadt teilenden Mauer, zur gesamtdeutschen Hauptstadt und internationalen Metropole und weltweiten Anziehungsort für junge, in der Regel künstlerisch motivierte Menschen, die aktiv in der Kunst- und Musikszene Berlins unterwegs waren. Mit der Love Parade als ihrem Höhepunkt. Einer überwiegend hedonistischen und nicht politisch gestimmten Veranstaltung, deren Untergang nicht aufzuhalten war und immer noch offene Wunden hinterlassen hat. Während der Berliner CSD fortbesteht. Weil er es verstanden hat, zu vermeiden, sich selbst zu genügen, also lediglich der Sichtbarmachung lesbischer und schwuler Lebensweisen zu dienen, sondern sich auch anderen Gruppen zu öffnen, die sich ebenfalls inzwischen als Teil der queeren Community Berlins verstehen und mit zum Wandel des CSD beitragen, denen  er mittlerweile seine Wirkung und Ausstrahlung verdankt. Und sein politisches Gewicht. Das sich nicht im Spaß und der Lust am Vergnügen der Teilnahme daran erschöpft. Ein wesentlicher Faktor besteht nach wie  vor und wieder verstärkt in der Notwendigkeit zur Sichtbarmachung unserer Lebensweise und in der Konfrontation der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft mit unseren jeweiligen Forderungen. In die inzwischen auch Menschen mit bi- trans* und intersexuellem Hintergrund einbezogen sind, ebenso wie queer Refugees, also solche mit Migrationshintergrund. Was der Community erst zu ihrem gegenwärtigen Gewicht verhilft, über das sie im Augenblick verfügt.

Rosa von Praunheim und Martin Dannecker verdanken wir nicht nur ihren Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers …“ sondern auch die entscheidende Initialzündung. Alles hat mit seiner Aufführung  bei der Berlinale 1971 im Schöneberger Kino Arsenal in der Welserstraße angefangen.  Als ihrer Reaktion auf die Ereignisse im Stonewall Inn in der New Yorker Christopher Street, dem Aufstand von Dragqueens, Transsexuellen, Lesben und Schwulen gegen Polizeiwillkür und ihre gesellschaftliche Ausgrenzung und Marginalisierung. Das wesentliche Ergebnis des Films besteht darin, dass sich ab diesem Zeitpunkt zahlreiche schwule Emanzipationsgruppen  in Deutschland zusammenfanden und gebildet haben.

Im Rahmen meiner dreimonatigen Teilnahme und Mitarbeit am Theaterprojekt AUFBEGEHREN habe ich zur Kenntnis nehmen dürfen, dass sich die Verhältnisse diesseits und jenseits der Berliner Mauer parallel, aber in einigem zeitlichen Abstand zueinander entwickelten. Weil auch die 1973 in einem obersten Stockwerke eines Hochhauses am Alexanderplatz vollzogene Gründung der HIB (Homosexuelle Interessengemeinschaft Berlin)  des Freundeskreises um Peter Rausch als Ergebnis  der Übertragung des Films in den Dritten Programmen der ARD zu verstehen ist.  Mit Peter habe ich mich im Rahmen unserer Mitarbeit am Projekt AUFBEGEHREN unter anderem auch über die Bedeutung und ermutigende Wirkung des englischen Schwulen-Aktivisten Peter Tatchel verständigt. Der im August 1973 – im Rahmen seiner Teilnahme an den sozialistischen Weltfestspielen der Jugend und Studenten, als Mitglied der Delegation der englischen Labour Party – unter der Weltzeituhr am Alexanderplatz sein Schwulsein öffentlich gemacht hat. Mitgliedern der HIB und des Freundeskreises von Peter Rausch ist es zu verdanken, ihn vor dem Zugriff der Stasi in Sicherheit gebracht zu haben. Der aus Anlass der Fußballweltmeisterschaft in Russland wieder in Erscheinung getreten ist, um in  Moskau auf die verheerende Situation Schwuler aufmerksam zu machen. Und das mittlerweile im Alter von über 70 Jahren. Ein wahrhaft würdiger Kandidat für den Soul of Stonewall Award International im kommenden Jahr (wenn er ihn nicht bereits erhalten hat).

Die Bedeutung von Menschen wie ihm  ist für die Community nicht hoch genug zu veranschlagen, zumal in einer Phase der Bewegung, in der wir dringend darauf angewiesen waren,  ein historisches Bewusstsein zu entwickeln, und an Menschen vor uns anzuknüpfen, wie beispielsweise an Magnus Hirschfeld,  dessen 150. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern dürfen. Dessen Wirken in den 1930er Jahren seinen Höhepunkt und gewaltsames Ende fand. Durch die brutale Zerschlagung des von ihm begründeten Wissenschaftliche Humanitären Komitees im Berliner Tiergartenviertel durch Nazi-Schergen, als Ergebnis der nationalsozialistischen Machtergreifung. Um damit Berlins Rolle als Welthauptstadt der Homosexuellenbewegung der 1920er Jahre zu besiegeln. Wovon sich die Stadt nicht wieder erholt hat. Erst ab Anfang der 1970er Jahre ist es gelungen, uns mit dem Studium von Heinz Hegers Bericht über die „Männer mit dem Rosa Winkel“ zu vergegenwärtigen, in welcher Tradition wir stehen. Tunten in der HAW war es anlässlich des Tuntenstreits, nach dem Versuch ihrer Ausgrenzung aus der Bewegung gelungen, mit dem Vorschlag zur Einführung des Rosa Winkel als Erkennungszeichen, die Forderung nach schwuler Sichtbarkeit zu verbinden. Gipfelnd in der zentralen Forderung des 1. Berliner CSD 1979: „Mach dein Schwulsein öffentlich!“ Frauen folgten dem Spruch: „Lesben erhebt euch und die Welt erlebt euch!“ Auch diese Phase hat im Rahmen unseres biographischen Erzähltheaters AUFBEGEHREN ihren Niederschlag gefunden.

Verbunden mit dem Hinweis darauf, dass sich Tunten und Lehrer beim ersten CSD (anders als bei der Pfingstdemo der HAW 1973) nicht mehr verstecken mussten. Der Tuntenstreit in der HAW war Geschichte und Homosexualität im Schuldienst kein Kündigungsgrund mehr. Dank erfolgreichen Kampfs um die Rücknahme der fristlosen Entlassung eines offen schwulen Lehrers aus dem Schuldienst, auf der Grundlage des  Einsatzes der Gruppe schwuler Lehrer und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Als Mitbegründer des ersten Berliner CSD war es mir auch ein Anliegen, bewusst zu machen, wieviel damals davon abhing, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und uns nicht auf wochenlange Diskussionen in den damaligen Gruppen und Projekten der lesbisch/schwulen Community zu verlassen. Die darum nicht unmittelbar an der Vorbereitung beteiligt, aber ausdrücklich zur Teilnahme daran eingeladen waren. Als Schwule, Lesben, Tunten, sowie Angehörige des damaligen Berliner MSC, als den Freunden des Motorsports und sogenannten Natursekts, denen die Tunten im SchwuZ, dank ihnen unterstellter faschistoider Tendenzen, nur mit größter Vorsicht begegnet sind.

Nach dem ersten CSD am letzten Sonnabend im Juni 1979 dauerte es nicht mehr lange, bis uns aus den USA erste Nachrichten über die Schwulenseuche AIDS erreichten. Gipfelnd in der Notwendigkeit und der Herausforderung, uns als Schwule neu zu erfinden und an unseren verschütteten sozialen Bezügen anzuknüpfen. Unter Schärfung unseres politischen Bewusstseins, im Kampf gegen die Initiative der bayerischen CSU, HiV-postive Menschen in eigens für sie zu errichtenden Quarantänelagern zu isolieren, also aus der Gesellschaft auszugrenzen. Mit Unterstützung Rita Süssmuths als der damaligen Gesundheitsministerin, ist es  jedoch gelungen, dem mit der Gründung bundesweit agierender AIDS-Hilfen zu begegnen.

Am Beispiel des fotografischen Chronisten der queeren Szene Berlins, Jürgen Baldiga, ist es mir im Rahmen des Projekts AUFBEGEHREN gelungen, deutlich zu machen wie knapp bemessen seine Lebens- und Wirkungs-Zeit war. Zwischen seiner Ankunft in Berlin, mit Anfang Zwanzig, im  Jahr seiner Teilnahme am ersten Berliner CSD, bis zu seinem Tod am 4. Dezember 1993, im Alter von 34 Jahren. Als Folge seiner HIV-Infektion und tödlichen AIDS-Erkrankung. Ein Zeitraum von knapp 14 Jahren. In denen es ihm gelungen ist, sich unauslöschlich in unsere Erinnerung einzubrennen. In Aussicht auf seinen sich am 4. Dezember dieses Jahres zum 25. mal wiederholenden Todestag besteht die Notwendigkeit, seinem Vergessen entgegenzuwirken. Und alle in die Erinnerung an ihn einzubeziehen, die wir inzwischen vermissen und die im Alten St. Matthäus Kirchhof in Schöneberg über einen Ort der Erinnerung verfügen.

Was am Ende eines Tages des 40. CSD in Berlin übrig bleibt, besteht aber auch in der Erinnerung an alle zahlreichen, überwiegend jungen Menschen, die mich auf jeweils unterschiedliche Weise berührt haben und zu beeindrucken verstanden. Durch ihre unbeschreibliche Vielfalt und Diversität, vor allem aber durch ihren Elan und ihr Engagement für die uns allen gemeinsame Sache und die Bereitschaft zum persönlichen Einsatz.

Auch und gerade im Hinblick auf die Frage, die sich auch in unserem Projekt AUFBEGEHREN stellt: Warum sind lesbische Frauen weniger sichtbar als schwule Männer und weshalb überhaupt verdienen Frauen weniger Geld als der Mann. Und: Wann gibt es endlich die Homoehe in Tschetschenien? Angesichts dessen sich die Frage nach der  Relevanz eines Preises für lesbische Sichtbarkeit erübrigt. Auch wenn Kritik daran die Forderung zum Ausdruck bringt, alle Gruppen der  Community mit einzubeziehen. Auch gehe ich davon aus, dass es sich im unverantwortlichen Hinweis des Verlegers des Schwulenmagazins Blu auf lesbische Sichtbarkeit vor allem um seine persönliche Auffassung handelt und nicht um einen Witz, wie er uns weismachen will. Was deutlich macht, dass Schwule, wenn sie nicht über den notwendigen Durchblick verfügen, allen Grund haben, sich mit zunehmender lesbischer Sichtbarkeit vor ihrem nicht aufzuhaltenden Bedeutungsverlust fürchten zu müssen. Als  Ausdruck ihrer Ignoranz und schwulen Selbstüberschätzung. Das Loch, in dem einer wie er sich verkriechen sollte, kann gar nicht tief genug sein.

Sowohl das Schwule Museum Berlin, als auch die Schwulenberatung Berlin haben sich inzwischen anderen Gruppen der Community geöffnet, um sie  mit einzubeziehen, als Lesben, Trans* und Intersexuelle Menschen, Einschließlich Queer Refugees. Am deutlichsten ist der sich zur Zeit vollziehende Umbruch, als Gegengewicht zum schwulen Bedeutungsverlust, neben dem SMU, im  CSD e.V. nachvollziehbar, der seine diesjährige Pressekonferenz mit lauter Spitzenfrauen bestritten hat, als Gegengewicht zur noch beim  30. CSD vor zehn Jahren überwiegenden Auffassung, es im CSD mit einem reinen Männerding zu tun zu haben. Wahr ist aber auch, dass alle in der LSBTI* Community vertretenen Gruppen auch und gerade im Rahmen des CSD in Erscheinung treten müssen, als Gegengewicht zu seiner schwul/männlichen Dominanz. Wie sie immer noch sichtbar ins Auge sticht. Weil immer beide Seiten dazu gehören, um was zu ändern, als gemeinsamer Medaille queerer Sichtbarkeit.

Auf Radio eins habe ich am  Vortag des 40. CSD für die Teilnahme aller Gruppen der Community geworben, nach dem Motto: Macht den CSD zu eurem CSD und überlasst ihn nicht denen, die bloß kommerzielle Interessen damit verbinden!“ Im Rahmen meiner Teilnahme am Siegessäulen-Talk beim Stadtfest in Schöneberg war ich jedenfalls mit einer breiten Phalanx weiblicher Dominanz konfrontiert: Ich allein unter Frauen! (Abgesehen von Jan Noll, als schwulem Moderator). Mit daran beteiligt waren die bewundernswerte Mahide Lein, die sich nicht gerne als lesbisches Urgestein apostrophieren lässt, und sich das Thema Sex im Alter auf die Fahnen geschrieben hat. Vor allem im Hinblick auf die gleichwertige Praxis sexueller Selbstbefriedigung in Bezug auf partnerschaftlichen Sex. Wofür  sich auch Martin Dannecker stark macht

Ipek Ipekcioglu, ausgezeichnet mit dem Preis für lesbische Sichtbarkeit, hat Vorbehalte gegen den CSD anklingen lassen und ihre Sympathie für den Transgenialen CSD in Kreuzberg der vergangenen Jahre. Mit ihrem Beitrag hat sie mich an einen jungen schwulen Mann mit türkischem Migrationshintergrund erinnert und dessen Hinweis auf seine doppelte Betroffenheit. Dank Ablehnung durch seine muslimisch geprägte Herkunftsfamilie,und  seine in der schwulen Community gängige Reduktion auf die Rolle als Sexobjekt, das sie in ihm verkörpert sieht.

Marie Günther macht sich dagegen nicht nur als Mitarbeiterin der Schwulenberatung, sondern überhaupt für die Belange transsexueller Menschen stark. Und in Gudrun Fertig verfügte Jan Noll im Bereich der Moderation über ein ihm ebenbürtiges weibliches Gegengewicht.

Zoff in der Community habe ich in der Regel immer überwiegend in der Funktion eines reinigenden Gewitters erlebt. Zum Abbau von Spannungen im Rahmen unvermeidlicher Querelen. Um damit der Verwirklichung gemeinsamer Ziele zum Durchbruch zu verhelfen. Da darf es dann ruhig auch mal richtig krachen. Um darüber die notwendige Klarheit zu gewinnen. Ganz wie in richtigen Familien.

Als einen solchen Beitrag empfinde ich den großartigen Film von Naomi Noa Donath und Henry Böttcher, als weiteren Kooperationspartner_Innen des 40. CSD. Mit ihrem dokumentarischen Streifen  „Loud Pride – Quiet Riot?“ gelingt  ihnen das Kunststück, alle unterschiedlichen Stimmen in der LSBTI-Community zum Teil auch dissonant zum Klingen zu bringen. Oftmals sehr entschieden, und kontrovers. Wenn es sich darum handelt, damit zur Sichtbarmachung von Defiziten beizutragen.  Die einen erinnern sich gerne und reden begeistert davon, den wolkenbruchartigen Regen beim CSD im vergangenen Jahr zum Anlass genommen zu haben, nackt im Regen zu tanzen. Nicht aus exhibitionistischen Motiven oder um ihre Nacktheit zur Schau zu stellen, sondern um damit am befreienden Gefühl überschäumender Lebenslust anzuknüpfen.

Vor allem Menschen mit trans* bi, inter oder Migrationshintergrund, machen aber auf Widersprüche aufmerksam, wie People of Color, deren Verhältnis zum traditionellen schwulen weißen CIS-Mann nicht spannungsfrei, auf jedenfall kritisch zu bewerten ist. Verbunden mit dem Vorwurf unterschwelligen bis offenen schwulen Rassismus. Mit ihrem Film ist es Naomi und Henry gelungen, das ganze Spektrum und die gesamte Vielfalt der queeren Community abzubilden und sichtbar zu machen und mit einzubeziehen. Und ich wünsche beiden den denkbar größten Erfolg damit. Bei allen, denen ihr Film dazu dient, sich nicht ausschließlich in lautem Gelächter darüber zu verausgaben, weil er stellenweise auch unsere Lachmuskeln reizt, sondern auch nachdenklich darauf zu reagieren, mit Tränen in den Augen. Ein Streifen, der es versteht, uns zum lachen und zum weinen zu bringen. Weshalb ich ihm noch sehr viel mehr Beachtung und Zuschauer wünsche, und das nicht nur auf der Plattform Vimeo: Loud Pride – Quiet Riot!

Im Hinblick auf das Theaterprojekt AUFBEGEHREN gibt es auf jedenfall neues zu berichten. Dank überwiegend positiver Reaktion der Zuschauer_Innen unserer bislang vier Aufführungen, haben wir uns dafür entschieden, uns nach der Sommerpause, also ab Herbst um eine Wiederaufnahme des Stücks und neue Spielorte zu bemühen. Weil wir darauf brennen, es wieder auf die Bühne zu bringen.  Und zwar alle gemeinsam, also miteinander und nicht gegeneinander. AUFBEGEHREN

Was ich auch auf die queere Community beziehen möchte, wenn ich mir was wünschen dürfte. Und das nicht nur was den Umgang von Lesben und Schwulen betrifft. Entsprechend jenem der lesbischen Autorin und Aktivistin Stephanie Kuhnen zu verdankenden Aufforderung: „Lesben raus!

Und im Nachklang zum 40. CSD in Berlin verbinde ich mit ihm als Ergebnis die Erwartung, alle streitige Auseinandersetzungen offen auszutragen, als Voraussetzung  dafür, sie produktiv zu gestalten, um damit der Idee der Gemeinschaft zum Durchbruch zu verhelfen, die sich dafür anbietet, sie zu unserem erklärten Ziel zu machen.  Als Gegengewicht zur Tendenz des gesellschaftlichen Rechtsrucks, mit dem wir gegenwärtig konfrontiert sind, und das nicht nur durch eine Partei wie die AfD. Die über populistische Sympathisanten auch im Bereich der bürgerlichen Mitte verfügt und Verbündete in der EU und in den USA. Und in denen, die bei  Pegida-Demonstrationen in Dresden, auf im Mittelmeer ertrinkende Flüchtlinge auf absolut unerträgliche Weise mit Beifall reagieren.

Manchen Repräsentanten queerer Einrichtungen sollten es sich, als Teil der Community, sehr genau überlegen, mit wem sie sich öffentlichkeitswirksam ablichten lassen. Auch wenn ich nicht davon ausgehe, damit unserer gemeinsamen Sache schaden zu wollen, würde ich dennoch einen Verzicht darauf empfehlen.

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