Erfindung des Glücks

Ein Moment des Glücks besteht für mich im Verzicht auf die bildliche Darstellung und Reduktion auf die Absicht, mich vorzugsweise der Sprache zur Herstellung von Bildern zu bedienen – als solchen im Kopf.… realer als die Wirklichkeit mancher bildlichen Darstellung, um damit der Anregung der Phantasie zu dienen, als meiner mich ein Leben lang begleitenden Absicht, im Wunsch und Bedürfnis danach, die Grenzen damit weiter zu stecken und durchlässig zu gestalten, also zu vermeiden, auf der Stelle zu treten.

Unter Vertiefung des Eindrucks davon – in allen verfügbaren Erlebnisbereichen. In Anlehnung an andere, die vor mir bereits darum bemüht waren, sich damit eine Schneise zu schlagen, mitten durch das Dickicht widersprüchlicher Eindrücke und Empfindungen.

Jean Rhys beispielsweise hat es sich nicht nehmen lassen, auf folgenden Tatbestand aufmerksam zu machen:  „Wenn ich die Wahl hätte, glücklich zu sein, oder zu schreiben, wäre ich lieber glücklich“.

Und Raymond Roussel, Autor des Romans „Locus Solus“ und des Stücks „Sonnenstaub“ hat sich dazu bekannt, mit Ausnahme seiner Kindheit keinen Moment des Glücks gekannt zu haben. Jean Cocteau beispielsweise bescheinigt dem Autor eine durch niemand anderen sonst zu übertreffende  Lauterkeit,

La Rochfoucauld dagegen ist davon überzeugt, dass das Glück in uns selbst liegt und nicht in den Dingen.

Und laut Marquis de Sade ist das Glück tief in unserer Einbildungskraft verankert, über die er bekanntermaßen in unübertroffenem Maß verfügte. Im Ramen des ihn bestimmenden Lebensziels, ungeachtet seines ebenso flüchtigen wie zweifelhaften Charakters.

Während der Zustand des Glücks für Orhan Parmuk (in seiner Literatur-Nobelpreisrede) einem Gebot der Vernunft enspricht: „Ich schreibe, weil ich nicht glücklich bin; ich schreibe, um glücklich zu sein“.

Und für James Baldwin – Autor des Romans „Giovannis Room“ und der Bekenntnisschrift „Go tell it from the Mountain“ – basiert der Zustand der Abwesenheit indivieduellen Glücks in der Erkenntnis: „Ich bin großgeworden im Gefängnis meiner schwarzen Haut“.